Stabile Seitenlage oder Herzdruckmassage?

Jemand bricht zusammen und reagiert nicht mehr. Jetzt zählt jede Sekunde, und du musst entscheiden: Seitenlage oder drücken? Eine einzige Frage gibt dir die Antwort, und wir zeigen dir, welche.

was ist
was?

Bevor du handelst, hilft es zu verstehen, was im Körper passiert. Dann ergibt die Entscheidung im Notfall ganz von selbst Sinn.

/ Bewusstlos, atmet normal

Was ist die stabile Seitenlage?

Die stabile Seitenlage ist für Menschen, die bewusstlos sind, aber noch normal atmen. Ihr Herz schlägt, das Blut fließt, nur das Bewusstsein ist weg.

Das Problem: Bei einer Bewusstlosigkeit erschlaffen die Muskeln, auch die Zunge. Liegt die Person auf dem Rücken, kann die Zunge nach hinten fallen und die Atemwege verschließen. Dazu kommt, dass Bewusstlose nicht mehr richtig husten oder schlucken können. Erbrochenes oder Blut kann so in die Lunge gelangen.

In der Seitenlage bleiben die Atemwege frei, und Flüssigkeit kann aus dem Mund ablaufen. Die Person braucht also vor allem eins: freie Atemwege, bis der Rettungsdienst da ist.

Ist die stabile Seitenlage eigentlich stabil?

„Stabil“ bezieht sich auf die Lage, nicht auf die Person. Der angewinkelte Arm und das gebeugte Bein stützen den Körper, damit er nicht auf den Rücken oder den Bauch zurückrollt. Stabil ist die Person deshalb noch lange nicht: Ihr Zustand kann sich jederzeit verschlechtern, deshalb musst du ihre Atmung ständig kontrollieren. In der Anleitung der DGUV heißt sie darum einfach „Seitenlage“.

/ Bewusstlos, atmet nicht normal

Was ist eine Herzdruckmassage?

Die Herzdruckmassage, Teil der Herz-Lungen-Wiederbelebung (kurz HLW), brauchst du, wenn jemand bewusstlos ist und nicht normal atmet. Dann liegt meist ein Herz-Kreislauf-Stillstand vor: Das Herz pumpt kein Blut mehr durch den Körper.

Ohne Blut bekommt das Gehirn keinen Sauerstoff und nimmt schon nach wenigen Minuten Schaden. Mit kräftigem Drücken auf den Brustkorb übernimmst du die Arbeit des Herzens und hältst den Kreislauf in Gang, bis der Rettungsdienst übernimmt. Die ersten drei bis fünf Minuten entscheiden dabei über das Überleben.

/ Darauf kommt es an

Warum ist der Unterschied so wichtig?

Auf den ersten Blick sehen beide Notfälle gleich aus: Jemand liegt am Boden und reagiert nicht. Der Unterschied steckt allein in der Atmung, und genau hier passieren die meisten Fehler.

Wer einen Menschen mit Herzstillstand in die Seitenlage legt, verliert wertvolle Minuten, in denen niemand drückt. Deshalb ist die wichtigste Fähigkeit in der Ersten Hilfe nicht der perfekte Handgriff, sondern die richtige Einschätzung: Atmet die Person normal oder nicht?

die eine
frage

Spiel den Notfall einmal durch. Klick dich Schritt für Schritt zur richtigen Entscheidung, so sitzt der Ablauf im Ernstfall.

  1. 1Prüfen
  2. 2Rufen
  3. 3Atmung prüfen
Schritt 1 von 3

Jemand liegt am Boden. Achte auf deine eigene Sicherheit, sprich die Person laut an und fass sie an den Schultern. Reagiert sie?

Neu seit 2025: Laut den aktuellen Leitlinien des European Resuscitation Council rufst du die 112, bevor du die Atmung prüfst. So hilft dir die Leitstelle von Anfang an beim Erkennen und Handeln.

Bekannt aus der Presse Kölner Stadt-Anzeiger
Kölnische Rundschau

Diese Tipps haben Ceylan und Lidija im Sommer 2026 auch in der Zeitung gegeben.

Im Artikel „Erste-Hilfe-Expertinnen aus Gummersbach geben Tipps für heiße Tage“ vom 29.07.2026.

der direkte
vergleich

Atmet normal

Stabile Seitenlage

Wann?
Bewusstlos, atmet normal
Warum?
Atemwege frei halten, Erbrochenes kann abfließen
Wichtig
Atmung ständig kontrollieren und bei der Person bleiben
Typischer Fehler
Hinlegen und nicht mehr nachschauen
Atmet nicht normal

Herzdruckmassage

Wann?
Bewusstlos, atmet nicht normal
Warum?
Die Pumpfunktion des Herzens übernehmen
Wichtig
Fest und schnell drücken und nicht aufhören
Typischer Fehler
Zu zaghaft drücken oder aus Angst gar nicht anfangen

schritt für
schritt

So geht es richtig. Die Seitenlage nach der Anleitung der DGUV, die Herzdruckmassage nach den aktuellen Leitlinien des European Resuscitation Council.

0Zuerst: Bewusstsein und Atmung prüfen

Ansprechen & anfassen

Achte zuerst auf deine eigene Sicherheit. Sprich die Person laut an, zum Beispiel „Hallo, hören Sie mich?“, und fass sie an den Schultern. Reagiert sie nicht, ruf laut um Hilfe und wähl die 112, Handy auf Lautsprecher.

Atmung prüfen

Neig den Kopf nach hinten und heb das Kinn an. Halt deine Wange über Mund und Nase und schau auf den Brustkorb: Sehen, hören, fühlen, nur kurz, höchstens etwa 10 Sekunden.

Person liegt auf dem Bauch?

Dann dreh sie vorsichtig auf den Rücken. Nur so kannst du die Atemwege freimachen und die Atmung richtig prüfen. Danach entscheidest du wie immer: Seitenlage oder Herzdruckmassage.

AStabile Seitenlage

  1. 1

    Beine der Person strecken und dich seitlich neben sie knien.

  2. 2

    Den nahen Arm angewinkelt nach oben legen, die Handfläche zeigt nach oben.

  3. 3

    Den fernen Arm über die Brust holen und den Handrücken an ihre Wange legen. Die Hand festhalten.

  4. 4

    Das ferne Bein am Oberschenkel greifen, nicht im Gelenk, und beugen.

  5. 5

    Die Person an Bein und Hand zu dir herüberziehen.

  6. 6

    Den Hals überstrecken und den Mund leicht öffnen. Die Hand an der Wange so ausrichten, dass der Kopf überstreckt bleibt.

  7. 7

    Ist die 112 noch nicht informiert, jetzt anrufen. Bei der Person bleiben und die Atmung ständig kontrollieren.

BHerzdruckmassage

  1. 1

    Person auf den Rücken drehen, auf eine harte Unterlage, und den Oberkörper frei machen.

  2. 2

    Einen Handballen auf die Mitte der Brust legen, auf die untere Hälfte des Brustbeins, die zweite Hand darauf.

  3. 3

    Mit gestreckten Armen 5 bis 6 cm tief drücken, 100 bis 120 Mal pro Minute.

  4. 4

    Den Brustkorb nach jedem Drücken ganz entlasten, aber die Hände liegen lassen.

  5. 5

    Hast du Beatmen gelernt: 30-mal drücken, 2-mal beatmen. Sonst einfach ununterbrochen weiterdrücken.

  6. 6

    Sobald ein Defibrillator (AED) da ist: einschalten und den Ansagen folgen.

  7. 7

    Nicht aufhören, bis die Person wieder normal atmet oder der Rettungsdienst übernimmt.

Tipp für das Tempo: Drück im Takt von „Stayin' Alive“ von den Bee Gees. Der Song hat ziemlich genau das richtige Tempo von rund 100 Schlägen pro Minute.

Achtung

die größte
falle

Was ist Schnappatmung?

Schnappatmung (Fachbegriff: agonale Atmung) sind vereinzelte, schnappende oder röchelnde Atemzüge, oft mit langen Pausen dazwischen. Sie sieht aus wie Atmen, ist aber ein Reflex, der bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand auftritt. Am Anfang können sogar kurze, krampfartige Bewegungen dazukommen.

Laut den aktuellen Leitlinien ist genau das das größte Hindernis beim Erkennen eines Herzstillstands: Viele halten Schnappatmung für ein Lebenszeichen und legen die Person in die Seitenlage. Dabei bräuchte sie in diesem Moment eine Herzdruckmassage.

30–60 % aller Herzstillstände beginnen mit Schnappatmung, meist in den ersten Minuten.

Schnappatmung ist keine normale Atmung. Sofort drücken!

wenn sich etwas
ändert

Ein Notfall ist nicht statisch. Behalte die Person im Blick, denn ihr Zustand kann jederzeit kippen, in beide Richtungen.

SeitenlageHerzdruckmassage

Die Person hört auf zu atmen

Setzt die Atmung in der Seitenlage aus oder wird sie auffällig, zum Beispiel zur Schnappatmung: Dreh die Person sofort auf den Rücken und beginn mit der Herzdruckmassage.

HerzdruckmassageSeitenlage

Die Person atmet wieder

Wacht die Person auf, bewegt sich oder atmet wieder normal: Hör auf zu drücken und prüf die Atmung. Ist sie wach, bleib bei ihr. Bleibt sie bewusstlos, atmet aber normal, bring sie in die stabile Seitenlage und kontrollier weiter.

Merksatz

Atmet sie normal: Seitenlage.

Atmet sie nicht normal: drücken.

Und im Zweifel? Immer drücken.

häufige
fragen

Der größte Fehler ist, gar nichts zu tun. Beim kräftigen Drücken können Rippen brechen. Das klingt schlimm, heilt aber wieder. Ohne Herzdruckmassage überlebt die Person einen Herzstillstand dagegen meist nicht.

Hast du Beatmen gelernt und traust es dir zu, wechselst du 30-mal Drücken mit 2 Beatmungen ab. Hast du es nicht gelernt oder möchtest du nicht beatmen, drückst du einfach ununterbrochen weiter. So sehen es auch die Leitlinien vor.

Dann behandelst du es wie keine normale Atmung und beginnst sofort mit der Herzdruckmassage. Die Leitstelle am Telefon hilft dir bei der Einschätzung.

Nicht direkt. Dreh die Person zuerst vorsichtig auf den Rücken, damit du die Atemwege freimachen und die Atmung prüfen kannst. Atmet sie normal, bringst du sie danach in die Seitenlage. Atmet sie nicht normal, beginnst du mit der Herzdruckmassage.

Liegt die Person auf dem Rücken, atmet normal und ihre Atemwege bleiben frei, lass sie erst einmal so liegen und frag die Leitstelle. Droht sie zu ersticken, etwa an Erbrochenem, gehen freie Atemwege vor: Dann dreh sie vorsichtig auf die Seite.

Die Grundfrage ist dieselbe, die Wiederbelebung läuft bei Babys und Kindern aber anders ab, zum Beispiel mit fünf Beatmungen zu Beginn. Wie das geht, lernst du in unserem Kurs Erste Hilfe am Kind.